Archiv für Oktober, 2012

Station 6 Süd – Nachtrag

Veröffentlicht: Oktober 24, 2012 in Irrenhaus

Frau Doktorin (nochnichtganzfertig) kommt sich vor wie auf ner Beautyfarm und beugt sich bewaffnet mit Skapell und Pinzette dicht über meinen Hals. Schnibbelt mal hier und  zubbelt mal da. „Is jetzt auch gar nicht so einfach, der Bart und der Faden ham so ziemlich die gleiche Farbe“ ..ist mir bekannt. „Also net wundern wenn ich auch n paar Haare entferne, ne? Für Beautyfarmerfahrene ist das n klacks“ Ich versuche Frau Doktorin (nochnichtganzfertig) einen herablassenden Augenwinkelblinzler zu zu werfen. Klappt nicht, da Frau Arzthelferin (ziemlichfertig) mit einer Kompresse bewaffnet versucht, das Blut zu stoppen. „Nur damit se sich net einsauen!“

Versteh ich (völligbedient) das Richtig? Ich komme zum entfernen der Fäden, blute wie sonstwas während mir Frau Doktorin (nochnichtganzfertig) den Hals wieder aufreißt. Auch wenn Frau Arzthelfern (ziemlichfertig) versucht den Schaden entsprechend klein zu halten, am Ende der Behandlung habe ich wieder ein Pflaster von einer imposanten Größe am Hals. „Bei dem Bart hält das eh nicht lange“, sage ich noch. Werde aber ignoriert.

6 Etagen tiefer fliegt das Pflaster dann in den Müll. Gebracht hats nix, sah auch noch scheiße aus.

Ich muss Grinsen.

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Station 6 Süd – 1. Woche

Veröffentlicht: Oktober 19, 2012 in Irrenhaus

7 Tage ohne Kippe.

1. Tag ohne Schmerzmittel.

1. Tag ohne Infusionen aber nur weil meine Adern an beiden Händen und Armen die Dienst quittiert haben. Scheiß Entzüdung.

Entdruckverbandung erfolgreich.

Entschlauchung erfolgreich

Wenn das kleine Pflaster auf der XXL Narbe links bis morgen früh das Hößchen trocken hält, geht´s nach Hause.

Fisch ist kein Rührei

 

 

Station 6 Süd – Flatrate vs. Happy Hour

Veröffentlicht: Oktober 18, 2012 in Irrenhaus

So, die zweite Narbe wurde nun erfolgreich an meinem Hals angebracht. Fühlt sich super an. Übers aussehen kann ich noch nix sagen, weil da immernoch der Druckverband drüber geklebt  ist. Naja so fällt wenigstens das Schlucken schwerer. Beim Wechsel heute Mittag hat der ZahnarztAIPler (Zahnwas ???…)penibel drauf geachtet, dass meine Ohren freibleiben. Dafür hat der Typ einen Orden verdient, denn Mono hören ohne Tinitus ist irgendwie sinnlos.

Für jedes kleine Wehwehchen haben die hier ein Mittelchen. Nur bin ich mir nicht sicher, ob die sich auch über den Entzug gedanken machen. Ich fasse mal kurz zusammen

  • 2 x Scheissegal-Drops
  • 4 Ampullen Schmerzmittel in Kochsalz aufgelöst pro OP macht 8 Ampullen. Krankenpfleger Dwayne „The Rock“ Johnson: „Ich kann den Tropf nicht schneller stellen, sonst schieß ich dich ab!“ Mir doch egal, hau raus!
  • Gefühlte 2-3 Hektoliter Antibiotika.
  • Novalgin in haushaltsunüblichen Mengen. Flatrate eben
  • Irgendwas gegen Magenkrämpfe
  • Und irgendwas gegen die verhärteten Adern aufgrund des Antibiotikas.

Am liebsten noch alles Auf einmal. Cocktail-Happy-Hour-2-für-1 und so. Je mehr es scheppert, desto weniger geb ich Widerworte.

Wie komm ich davon wieder weg?

Variante A: Erzquell und Heimspiel. Hmm, egal wie ich es drehe und wende: Unmöglich das bei den regierenden Instanzen durch zu setzen. Auch wenn es direkt zum Heilungsprozess beiträgt.

Variante B: White Russian und Romeo Y Juiletta. Auch geil, geht aber auch nicht. Siehe oben.

Variante C: Einfach genug mit nach Hause nehmen und eben nicht auf Entzug gehen. Macht Spass, schont aber die Nerven nicht.

Was noch?

  • Kuddeldaddeldu aus der Zimmermitte hat heute zum 53. Mal versucht sich selbst zu befreien. Hat er nicht geschafft und wurde zur Belohnung mit dem Hubschrauber ausgeflogen.
  • Ich habe seit 7 Tagen nicht geraucht.
  • Ich habe unbändige Lust auf ein Jägerschnitzel
  • Nur noch mal der Vollständigkeit halber: Ich habe keinen Bock mehr auf Schläuche, Druckverbände, Zugänge, Nachtschwestern, Medizinerwitze, und Krankenhausflurgeruch und Aufzüge mit ner „Vorrang-Schalte“

Zum Grinsen fehlt mir heute die Lust.

 

Station 6 Süd. Tage 4 und 5.

Veröffentlicht: Oktober 16, 2012 in Irrenhaus

Es ist ein Zweifrontenkrieg ausgebrochen. Auf der einen Seite das Ohr nebst den Resten der Gleichnamigen Speicheldrüse. Auf der anderen Seite, eher mehr in der Mitte, ein Gedöns aus Namenhabichvergessenundehnichtverstanden und einem Knubbel der da weg muss. Und das passiert eben Morgen.

Stichwort Passiert: die Anstaltsleitung, Abteilungsleiterin nein die Oberschwester versorgt mich eben dann doch tatsächlich mit FESTER Nahrung. Ein Goldstück diese Dame und Danke an dieser Stelle auch an Hubert (Name v.V.geändert) der aus Gründen in den Hungerstreik getreten ist und ich somit sein Solidaritäts-Schwarzbrot und den Revolutions-Edamer abgreifen konnte. Hoch lebe die internationale…..jaja schon ok!

Also zurück zum Krieg. Die Narbe gegen mich un umgekehrt. Ich habe jetzt ein Halbseiten-Lifting erhalten. Heißt derAbstand zwischen Bart und Ohr links ist deutlich geringer als der Abstand zwischen Bart und Ohr rechts. Schäpp eben. Die frischoperierte Seite meines Gesichts sollte eigentlich die Dickere (weil OP-Mäßig angeschwollen) sein. Ist sie aber nicht. Grinsen fällt nicht so leicht weil wegen Druckverband.Front 1 und 2 haben zunächst alle Friedensverhandlungen vertagt. Einig sind die sich nur in einem einzigen Punkt:  Sieht einfach Scheisse aus.

Egal. Ab Morgen dann Narbe 2 die hoffentlich das Liftingdefizit der rechten Seite wieder ausgleicht. Ich bin gespannt.

Noch was?

  • Hubert mach einen auf Baumgartner und legt sich gleich doppelt auffe Schnauze. Nur ohne Fallschirm und ohne funktionierenden Kreislauf.
  • Erwin kriegt so lustige Infusionen. Die Piepsen wenn die leer sind und die sind immer dann leer, wenn ich gerade eingeschlafen bin. 35 Jahre lang Behälter von Innen ausbeitzen haben ihm das Hirn fritiert. Sagt er selbst.

Zum Wachwerden gabs dann heute Morgen eine Mischung aus Himmel und Hölle. MRT (Hölle) nebst schnuckeliger RTAin(Himmel zumindest zu 68 %, gemessen an der Hölle eher 80%)  die nicht die Spur Skrupel hat mich bis zur Bewegungsunfähigkeit festzuzurren und dabei auch noch freundlich zu grinsen. Gut, andere Menschen zahlen dafür und haben Spass daran.

Ich eher weniger.

 

 

 

Station 6 Süd Tag 3

Veröffentlicht: Oktober 14, 2012 in Irrenhaus

Ich krieg jetzt so Tropfen. Die Schmecken wie Kinderhustensaft und sind super gegen Schmerzen. Gereicht werden die Tropfen in so kleinen formunschönen Plastik-Pinnchen. Methadonprogramm für Kassenpatienten. Mittlerweile habe ich mir auch eine echt unschöne Körperschief-Schutzhaltung angwöhnt. Damit gehts eigentlich ganz gut, also vorwärts meist. Übrigens, dass ich Kassenpatient bin merk ich nicht nur am Verhalten der Nachwächter sondern auch daran, dass sich bisher noch kein beteiligter Arzt wieder für mich interessiert hat. Erst so ein Alarm machen und dann das Wochenende voziehen. Und ich? Ich sitz hier rum und muss mich damit beschäftigen ob ich mein Fleisch gemeinsam mit mit den Erbsen und Mörchen püriert haben möchte oder lieber getrennt. Wie bitte? Was habt ihr vor?

Breiform

Nee kommt Kinder das könnt ihr nicht machen!!! Ich lass mir doch nich durch den Mixer quirlen. Hier an der Wand, unterhalb des Belegungsplans der Kellerkapelle, hängt doch so ne Suppenwoche…..darf ich mich nicht daran bedienen wenn ich schon flüssig muss? Ich darf und grinse. Ich darf also nix festes weil die Kaubewegungen schlecht für den Schnitt sind. Sagt der aufschneidene Arzt und ordnet an. Der hat bestimmt noch nie das hauseigene weiche Weißbrot gekostet. Sonst würde der mich Schnitzel essen lassen.

Brei 1 sieht aus wie warmer Eiter nur ohne Klümpchen und Salz. Brei 2 entpuppt sich als Markklößchensuppe, sehr delikat. Brei 3 sieht ungefähr aus wie eine Mischung aus Brei 1 und Brei 2 und verursacht bei Anblick und bei dem Gedanken daran das da tatsächlich zu essen….Brei 4. Details erspar ich mir. Ich entscheide mich dagegen.

Sonst noch was?

– Ich darf meine Strapse ausziehen. Schwarz steht mir eh besser.
– Um halb zwei nachts ist Zeit zu schlafen entscheidet die Klinikleitung und schaltet den Fernseher ab. Keine Chance den wieder ans Laufen zu kriegen.
– Der Schließer von Nachtdienst entpuppt sich als Revoluzzer und empfiehlt mir eine Beschwerde schriftlich an die Klinikleitung zu schicken. Zettel und Stift hätte sie da.
– Der Stationsarzt ist auf meiner Seiter und erhöht die Dosis Novalirgendwas. Guter Typ!

Ich grinse.

Station 6 Süd Reloaded – Tag 2

Veröffentlicht: Oktober 12, 2012 in Irrenhaus

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber die Leck-Mich-Am-Arsch-Drops sind wirklich sehr lecker.

Was man von dem Weißbrot nicht behaupten kann. Ich soll nur noch Weiches, so für n paar Tage um die Wunde zu entlasten. Die Schwarzbrot gestern war weicher und nein ich will mein Fleisch nicht in Breiform!

Ist doch bäh!

Station 6 Süd Reloaded

Veröffentlicht: Oktober 11, 2012 in Irrenhaus

An dem Schwung mit dem die Empfangsdame den W-Lan-Patienten-Nutzervertrag unterschreibt, hätte ich schon erkennen müssen, dass das heute hier eine wirklich langwierige Angelegenheit wird. Erst passiert ganz lange nichts, dann rasendschnell ein halbes „S“ gekritzel, dann wieder ganz lange nichts. Nächster Buchstabe. Zum Glück hat die Dame keinen Doppelnamen.

Die Patientenaufnahme ist organisiert wie ein Amt. So mit Nummernziehen und so, nur eben moderner mit mehr Glas und einem fast schon futuristisch anmutenden Wartemärkchenziehautomat. Zwei Patientenaufnahmedamen, jeweils eine pro Aquarium, grinsen mich freundlich an. Ich drücke den Wartmärkchenanforderungsknopf am Wartemärkchenziehautomat…*Bling* meine Nummer, die gefühlte 2 1/2 Sekundenvorher aus dem Wartemärkchenziehautomat geeiert ist, leuchtet bedrohlich über den Aquarien. Beide Damen grinsen. Ich mache einen auf „ibb-dibb-dabb“ und entscheide mich für Tor 2. Die Glastür ist noch nicht mal halb geöffnet, da entpuppt sich Grinsedame Nr. 1 als Zonk „Gehen Sie bitte nach nebenan zu Platz 1!“ Ich staune, nicke und gehe wieder…einen halben Schritt zurück, dreh mich auf dem Absatz und erreiche so die biometrische Schleuse zu Platz 1. „Wenn ma genau hinguggt, steht datt uch da“…huch..Rrricharrd mit dem AOK-Chopper hatte ich bis dahin komplett übersehen. Er grinst.

„Ihre letzten zwei Narkosen waren langweilig!“ Einschlafexperten haben einfach einen komischen Humor. „Kann ich nicht sagen“, sag ich. „War ja nur halb anwesend.“ „Halb?“ staunt er mich an, „Da habe ich wohl was versaut!!!“

Ich beziehe meine Zelle und habe sofort gesteigertes Verlangen nach hartem Alkohol. Habe ich Euch eigentlich schon mal erzählt, wie abgrundtief ich Krankenhäuser hasse? Der Geruch, das herbe Styling, die Kranken und Oberschwestern und viel zu kleinen Betten und so? Nein, habe ich noch nicht? Sofern ich meine kleine Geschichte in den nächsten Tagen durchhalte, werdet Ihr´s schon merken. Also nix wie raus aus dem Zimmer, dem Flur und dem ganzen Komplex. Gerade bei den Aufzügen angekommen: „Haaaaaaaalt!!!!! Ich habe Ihnen noch kein Blut abgenommen! Odaaaaaa?“ Vor mir baut sich Schwester S. auf und ich steh im Schatten. Eine Mischung aus einem Gussasphaltkocher und einem Gemeindepsychologen. „Wenn ich treffe tut´s auch nicht weh“, sag sie. Scheiße denke ich noch, wenn ich treffe kriegt die es nicht mal mit. Die Faust in der Hosentasche öffnet sich langsam.

Mein zuständiger Oberarzt eröffnet mir dann den Jackpot. Hauptgewinn in Sachen Gedäh im Hals. Es wächst zusammen, was da nicht hingehört und muss verschwinden. Also eine OP morgen, dann ma gucken wie die olle Hirse das verkraftet hat, und dann auf zur nächsten Runde. Prima denk ich, das wird ein Spaß. Der Oberdoc nickt, der AIP´ler auch. Ich grinse.

Klasse. Nächste Woche ist doch Spitzenspiel…

Das Abendessen besteht aus anderhalb Sorten Brot und einer Sorte Käse mit einem Klecks Marganrine und heißen Kirschen, die aber kalt serviert werden. Dazu eine Tasse lerckerster Pfefferminztee….wie als wenn ich das bestellt hätte.

Morgen um 09:00 Uhr gehts los. Und ich jetzt rauchen.