Station 6 Süd

Veröffentlicht: März 22, 2010 in Irrenhaus

Krankenhausflure und ich waren nie Freunde, sind es nicht und werden es auch niemals werden. Krankenhausflure sind keine normalen Flure. Sie klingen anders, sehen anders aus, man bewegt sich anders und sie riechen auch anders. Vorzugsweise nach einer Mischung aus Bettpfannen und/oder alten Menschen mit Desinfikationsmittelsucht. Schön geht anders.

Ein niedliches 3-Bett-Zimmer mit unverbaubarem Ausblick auf die Flutlichtmasten des Stadions. Nach dem überragenden Unentschieden gegen den Tabellenletzten, hängt da eh alles auf Halbmast. 2 Mann Belegung. Oleg kam Samstagnacht mit nem Loch im Kopf. Muss wohl übel gesaut haben im Op-Saal. Sagt zumindest seine Jogginghose. Er ist da anderer Meinung und entlässt sich selbst so gegen 10. Der Oberdoc mit der Goldkette ist entsprechend sickig.

So also nur noch Gustav und ich. Gustav in Anfang 60 und kommt vom Land. Davon gibts hier ja genug. Weiss alles, kennt jeden und war schon überall. Ausserdem gewinnt er jedes mal das Infusionswettrennen. Liegt an seinem Port, wie er sagt.

„Da werden die Dinger nur noch eingehakt, und dann läufts wie’s Gewitter. Da kannste mit deinem Zugang da nich gegen anstinken!“

Infusion 2.0. A pro pos. Seit Samstag hat er mittlerweile 120 Flaschen oder so erhalten. Erzählt er zumindest Jedem. Nur seiner Frau nicht, mit der geht er rauchen. Und wenn die Nachtschwester ihm nicht schon wieder das Essen im Computer umbestellt, ist alles gut.

„Was geht die mein Zucker an? Ich bestelle wie ich das will und mein Zucker hat die nicht zu interessieren!“

Ich nehm meinen Kaffee schwarz! Mich haben die am Hals geöffnet. Irgendwas hat sich entzündet und ein dickes etwas gebildet was da nicht hingehört. Dieses etwas, zumindest ein Großteil davon, ist nun weggeschnitten und beim Pathologen. Der scheint ne menge Spass mit meinen Halsresten zu haben. Melden tut der sich nämlich nicht. Naja, wenns tödlich wär, hätte er schon geschrien‘.

Ich seh nebenbei aus wie eine Mischung aus Halbseiten-Dirk-Bach und nem Ober-Sylo-Hip-Hopper. Halbseitig angeschwollen, dazu schicke Sneaker, ne Baggy-Jogging-Buchse und ne weisse Zirkuszelt-Kappujacke, ganiert mit meinen neuen Sennheiser. Extrem Cool.

Finden auch die Praktikantinnen, bilde ich mir ein. Und wenn die Medikamente und ich so weiter machen bin ich bald wieder ein UHU. Ein Unter-Hundert. Mal sehen wie das aussieht. White Line Fever und Ain’t No Grave kümmern sich rührend um mich.

Und grad war auch die katholische Kirche hier auf der Suche nach neuen Spielkameraden. Uff, zum Glück bin ich evangelisch.Glaub ich!

Und dabei soll man gesund werden.

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Kommentare
  1. Wildwechsel sagt:

    „Mensch min Jung! Wat mokst Du för Sachen?“
    würde Dich der hamburger fragen!

    Erstmal alles Gute und gute Besserung, nä?!

    Und ich wundere mich schon, dass man Dich nirgendwo mehr erreicht…

    Bis bald,
    S.

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